Elastomere – Was sind Elastomere?
Definition, Eigenschaften, Typen und Anwendungen elastischer Kunststoffe
Elastomere sind formfeste, aber stark elastisch verformbare Kunststoffe mit weitmaschig vernetzten Polymerketten. Sie lassen sich unter Zugbelastung auf ein Mehrfaches ihrer Ausgangslänge dehnen und kehren nach Entlastung nahezu vollständig in ihre ursprüngliche Form zurück. Ihre Glasübergangstemperatur liegt unterhalb der Einsatztemperatur, sodass sie gummielastisch bleiben.
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Definition und Abgrenzung
Elastomere bilden neben Thermoplasten und Duroplasten eine der drei Hauptgruppen der Kunststoffe. Ihre charakteristische Gummielastizität beruht auf weitmaschig vernetzten, verknäulten Polymerketten. Unter mechanischer Belastung werden diese Ketten gestreckt; nach Entlastung kehren sie durch thermische Molekularbewegung in ihren energetisch günstigeren Knäuelzustand zurück. Dieses Verhalten wird als Entropieelastizität bezeichnet.
Im Unterschied zu Thermoplasten sind Elastomere chemisch vernetzt und daher nicht schmelzbar oder thermoplastisch umformbar. Im Unterschied zu Duroplasten ist die Vernetzung jedoch so weitmaschig, dass große elastische Verformungen möglich bleiben.
Glasübergangstemperatur
Die Glasübergangstemperatur (Tg) ist die Temperatur, unterhalb derer ein Elastomer vom gummielastischen in einen spröden, glasartigen Zustand übergeht. Elastomere werden ausschließlich oberhalb ihrer Tg eingesetzt, da sie nur dort die gewünschte Elastizität zeigen.
Die Tg hängt stark vom Kautschuktyp und seiner chemischen Struktur ab:
- Naturkautschuk (NR): Tg ca. −70 °C
- NBR mit hohem ACN-Gehalt: Tg ca. −20 °C
Je höher die Tg, desto früher wird das Material bei Kälte hart und spröde. Für Tieftemperaturanwendungen werden daher Elastomere mit besonders niedriger Tg gewählt.
Häufige Elastomertypen
NR (Naturkautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −50 bis +80 °C
- Eigenschaften: sehr hohe Zugfestigkeit und Dehnbarkeit, gute Elastizität, guter Rückstelleffekt
- Typische Anwendungen: Schwingungsdämpfer, Förderbänder, Reifenkomponenten
NBR (Nitrilkautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −30 bis +100 °C
- Eigenschaften: sehr gute Öl- und Kraftstoffbeständigkeit, gute Abriebfestigkeit, anpassbare Tieftemperaturflexibilität über ACN-Gehalt
- Typische Anwendungen: Hydraulik- und Pneumatikdichtungen, O-Ringe, Schläuche für Öle und Kraftstoffe
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −50 bis +130 °C
- Eigenschaften: ausgezeichnete Witterungs-, UV- und Ozonbeständigkeit, gute Heißwasser- und Dampfbeständigkeit, nicht mineralölbeständig
- Typische Anwendungen: Außenprofile, Dachabdichtungen, Fenster- und Fassadendichtungen, Kühlwasserschläuche
FKM (Fluorkautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −20 bis +200 °C (spezielle Typen darüber hinaus)
- Eigenschaften: sehr hohe Chemikalien-, Öl- und Kraftstoffbeständigkeit, hervorragende Wärmebeständigkeit, geringe Gasdurchlässigkeit
- Typische Anwendungen: Hochleistungsdichtungen in Motoren, Getrieben, chemischer Industrie, Luft- und Raumfahrt
CR (Chloropren-Kautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −40 bis +120 °C
- Eigenschaften: gute Witterungs- und Ozonbeständigkeit, flammhemmend, gute mechanische Eigenschaften
- Typische Anwendungen: Schläuche, Kabelummantelungen, Förderbänder, Flamm- und Witterungsschutzteile
VMQ (Silikonkautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −60 bis +200 °C (spezielle Typen bis ca. 250 °C)
- Eigenschaften: sehr breiter Temperatureinsatzbereich, sehr gute Kälteflexibilität, gute Wärmealterungsbeständigkeit, physiologisch unbedenklich, lebensmittel- und medizintechnisch einsetzbar
- Typische Anwendungen: Dichtungen in Lebensmittel- und Medizintechnik, Silikonschläuche, Backformen, Dichtprofile bei hohen Temperaturen
SBR (Styrol-Butadien-Kautschuk)
- Einsatzbereich: ca. −40 bis +70 °C
- Eigenschaften: guter Abriebwiderstand, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, begrenzte Alterungs- und Ozonbeständigkeit
- Typische Anwendungen: Reifenlaufflächen, Förderbänder, technische Gummiwaren mit moderaten Anforderungen
Vernetzung und Vulkanisation
Die chemische Vernetzung der Polymerketten erfolgt überwiegend durch Vulkanisation. Dabei werden dem Rohkautschuk Vernetzungschemikalien (z. B. Schwefel oder Peroxide), Beschleuniger, Aktivatoren und Füllstoffe zugesetzt und das Gemisch unter Wärme und Druck vernetzt.
- Schwefelvulkanisation: bildet Schwefelbrücken zwischen ungesättigten Kettensegmenten (z. B. NR, SBR, NBR). Die Art und Dichte der Schwefelbrücken beeinflusst Härte, Elastizität und Alterungsbeständigkeit.
- Peroxidische Vernetzung: erzeugt C–C-Brücken, wird u. a. bei EPDM, FKM und Silikonen eingesetzt und führt zu guter Wärme- und Medienbeständigkeit.
Erst durch die Vulkanisation erhält der Rohkautschuk seine endgültigen elastischen Eigenschaften und wird zum gebrauchsfertigen Elastomer.
Industrielle Anwendungen
Elastomere sind aufgrund ihrer Kombination aus Elastizität, Dichtwirkung und Medienbeständigkeit in vielen Branchen unverzichtbar:
- Dichtungstechnik: O-Ringe, Flachdichtungen, Wellendichtringe, Profile, Membranen
- Schwingungstechnik: Gummi-Metall-Elemente, Motorlager, Maschinenpuffer, Schwingungsisolatoren
- Fahrzeugtechnik: Reifen, Schläuche, Fahrwerksbuchsen, Tür- und Fensterdichtungen, Manschetten
- Bauwesen: Fenster- und Fassadendichtungen, Dehnfugenprofile, Dachabdichtungen, Lager im Brückenbau
- Medizintechnik und Lebensmittelindustrie: Silikonschläuche, Dichtungen in sterilen Systemen, Membranen, Implantate aus Silikon
Relevante Normen
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Was ist der Unterschied zwischen Elastomeren und Thermoplasten?
Elastomere sind chemisch vernetzt und kehren nach Verformung in ihre Ausgangsform zurück. Thermoplaste sind schmelzbar und wiederverwertbar, aber weniger elastisch.
Welche Elastomere werden am häufigsten eingesetzt?
Zu den am häufigsten verwendeten Elastomeren gehören EPDM, NBR, FKM (Viton), Silikon und Naturkautschuk. Die Wahl richtet sich nach den Anforderungen an Temperatur-, Chemikalien- und Medienbeständigkeit.
Sind Elastomere beständig gegen Chemikalien?
Die Chemikalienbeständigkeit hängt stark vom Elastomertyp ab. FKM ist besonders beständig gegen Öle und Kraftstoffe, EPDM gegen Witterung und Ozon, NBR gegen mineralische Öle.
Wie lange halten Elastomere?
Die Lebensdauer hängt von Werkstoff, Belastung und Umgebungsbedingungen ab. UV-Strahlung, Ozon und hohe Temperaturen beschleunigen die Alterung.
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