Werkstoffe 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 12. Mai 2026

Butylkautschuk (IIR) – Eigenschaften und Einsatzgebiete

Gasdichter Synthesekautschuk mit hervorragender Chemikalien- und Witterungsbeständigkeit

Butylkautschuk (IIR = Isobutylen-Isopren-Kautschuk) ist ein synthetischer Copolymer-Kautschuk aus ca. 95–99 Mol-% Isobutylen und 1–5 Mol-% Isopren. Er zeichnet sich durch eine extrem niedrige Gas- und Wasserdampfdurchlässigkeit, sehr gute Witterungs- und Chemikalienbeständigkeit sowie gute Dämpfungseigenschaften aus und wird daher vor allem für gasdichte Dichtungen, Reifen-Innerliner und pharmazeutische Stopfen eingesetzt.

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Was ist Butylkautschuk (IIR)?

Butylkautschuk, kurz IIR (Isobutylen-Isopren-Rubber), ist ein synthetischer Elastomerwerkstoff. Chemisch handelt es sich um ein Copolymer aus etwa 95–99 Mol-% Isobutylen und 1–5 Mol-% Isopren. Durch den sehr geringen Anteil an Doppelbindungen im Polymergerüst ist IIR deutlich weniger reaktiv als viele andere Kautschuke – mit direkten Auswirkungen auf Alterungsbeständigkeit und Gasdurchlässigkeit.

Die herausragende Eigenschaft von Butylkautschuk ist seine extrem niedrige Gasdurchlässigkeit, die deutlich unter der von Naturkautschuk (NR) oder Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) liegt. Dadurch ist IIR der Standardwerkstoff für Anwendungen, bei denen Dichtigkeit gegenüber Luft, Gasen oder Wasserdampf im Vordergrund steht.

Zentrale Eigenschaft: Gasdichtigkeit

Die Polymerstruktur von Butylkautschuk ist geprägt durch dicht gepackte Methylgruppen entlang der Isobutylen-Segmente. Diese schränken die Beweglichkeit der Kettenmoleküle stark ein und blockieren die Diffusion von Gasen und Wasserdampf durch das Material.

Folgen für die Praxis:

  • sehr geringe Permeation von Luft, Stickstoff und Wasserdampf
  • lange Druck- und Fülldruckstabilität (z. B. in Reifen oder Schläuchen)
  • zuverlässige Abdichtung gegenüber Gasen in technischen und pharmazeutischen Systemen

Damit ist IIR der bevorzugte Werkstoff für gasdichte Schichten, Membranen und Stopfen.

Wichtige Eigenschaften von Butylkautschuk

  • Temperaturbereich (Dauereinsatz): ca. −40 bis +130 °C

Geeignet für viele technische Anwendungen im Kälte- und moderaten Hochtemperaturbereich.

  • Shore-Härte: 35 bis 85 Shore A

Vom weichen Dichtungswerkstoff bis hin zu festeren Formteilen realisierbar.

  • Bruchdehnung: bis ca. 700 %

Hohe Elastizität und Dehnfähigkeit, typisch für Elastomere.

  • Ozon- und UV-Beständigkeit: sehr gut

Deutlich bessere Witterungsbeständigkeit als viele ungesättigte Kautschuke; geeignet für Außenanwendungen.

  • Beständigkeit gegen Chemikalien:
  • Säuren und Laugen: sehr gut beständig
  • Gute Beständigkeit gegen polare Medien und viele anorganische Chemikalien
  • Dämpfungseigenschaften: gut, über einen breiten Temperaturbereich nutzbar

IIR eignet sich für Schwingungs- und Geräuschdämpfung.

  • Nicht beständig gegen:
  • Mineralöle und Kraftstoffe
  • aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe

In öl- oder kraftstoffführenden Systemen sind andere Elastomere (z. B. NBR, FKM) besser geeignet.

Halogenierte Butylkautschuke: CIIR und BIIR

Zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit und Reaktivität werden halogenierte Varianten von Butylkautschuk eingesetzt:

CIIR – Chlorbutylkautschuk

  • durch Chlorierung von Butylkautschuk hergestellt
  • schnellere Vulkanisation als bei unverändertem IIR
  • bessere Covulkanisierbarkeit mit anderen Kautschuken (z. B. NR, SBR)
  • häufig in Reifenmischungen und technischen Gummiwaren eingesetzt

BIIR – Brombutylkautschuk

  • bromierte Variante von Butylkautschuk
  • noch höhere Reaktivität als CIIR
  • ermöglicht sehr feine Vernetzungsstrukturen und dichte, homogene Vulkanisate
  • bevorzugter Werkstoff für pharmazeutische Stopfen und Reifen-Innerliner, wo höchste Dichtigkeit und Reinheit gefordert sind

Typische Einsatzgebiete von Butylkautschuk

Reifentechnik

  • Innenlagen schlauchloser Reifen (Innerliner)

IIR/CIIR/BIIR sorgen für die Luftdichtigkeit moderner Pkw-, Lkw- und Fahrradreifen.

  • Fahrradschläuche

Butylschläuche halten den Luftdruck deutlich länger als Naturkautschukschläuche.

Pharma und Medizintechnik

  • Stopfen für Injektionsfläschchen (v. a. BIIR)

Kombination aus Gasdichtigkeit, chemischer Beständigkeit und guter Sterilisierbarkeit.

  • Membranventile und Dichtmembranen

Für Dosier- und Verschlusssysteme, bei denen Dichtigkeit und Medienbeständigkeit entscheidend sind.

Industrieanwendungen

  • Dichtungsmembranen für Gase und aggressive Medien
  • Säureschutzauskleidungen in Behältern, Apparaten und Rohrleitungen
  • Schwingungs- und Geräuschdämpfungselemente, z. B. in Maschinen und Anlagen

Bauwesen

  • Dichtungsbänder gegen Druckwasser

Einsatz in Fugen, Durchdringungen und Abdichtungssystemen, wo dauerhafte Wasser- und Gasdichtigkeit gefordert ist.

Elektrotechnik

  • Kabelisolierungen und -ummantelungen

Gute elektrische Isoliereigenschaften, Witterungsbeständigkeit und Dichtigkeit gegenüber Feuchtigkeit.

Zusammenfassung

Butylkautschuk (IIR) ist ein vielseitiger Elastomerwerkstoff mit außergewöhnlich niedriger Gasdurchlässigkeit, guter Chemikalien- und Witterungsbeständigkeit sowie guten Dämpfungseigenschaften. Einschränkungen bestehen vor allem bei der Beständigkeit gegenüber Ölen, Kraftstoffen und Kohlenwasserstoffen. Durch halogenierte Varianten wie CIIR und BIIR lässt sich die Reaktivität und Verarbeitbarkeit gezielt anpassen, wodurch IIR in Bereichen von Reifen über Pharma bis hin zu Bau- und Industrieanwendungen zu einem Schlüsselwerkstoff wird.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Butylkautschuk (IIR)?

Butylkautschuk ist ein Synthesekautschuk mit sehr geringer Gasdurchlässigkeit. Er wird vor allem für Reifeninnenschichten, Dichtungen und Membranen eingesetzt.

Wofür wird Butylkautschuk verwendet?

Hauptanwendungen sind Reifeninnenschichten, Dichtungen im Bauwesen, pharmazeutische Stopfen und Schwingungsdämpfer.

Ist Butylkautschuk ölbeständig?

Nein, Butylkautschuk hat eine geringe Beständigkeit gegen mineralische Öle und Kraftstoffe. Für solche Anwendungen sind NBR oder FKM besser geeignet. IIR ist jedoch beständig gegen viele Säuren, Laugen und polare Lösungsmittel.

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