Flachdichtung – Typen, Werkstoffe und Normen
Aufbau, Typen, Werkstoffe und Normen von Flanschdichtungen im Überblick
Eine Flachdichtung ist ein flaches, ring- oder formatiges Dichtelement, das statisch zwischen zwei Flanschflächen liegt und durch Schraubenvorspannung verpresst wird. Sie ist das am weitesten verbreitete statische Dichtelement im Rohrleitungs-, Behälter- und Apparatebau.
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Was ist eine Flachdichtung?
Flachdichtungen sind plane Dichtelemente, die zwischen zwei Flanschen oder ebenen Dichtflächen eingelegt werden. Durch das Anziehen der Schrauben entsteht eine Flächenpressung, die Unebenheiten ausgleicht und das Medium sicher im System hält. Sie werden in Rohrleitungen, Behältern, Apparaten und Armaturen eingesetzt.
Typen und Formen von Flachdichtungen
Lochkreisdichtung (Form IBC)
Die Lochkreisdichtung ist die häufigste Bauform für Normflansche nach DIN EN 1092-1.
- Außendurchmesser liegt am Lochkreis der Schrauben
- Keine Schraubenbohrungen in der Dichtung
- Standard-Dichtungsstärke: 2,0 mm
- Typischer Druckstufenbereich: PN 2,5 bis PN 63
Einsatz überall dort, wo genormte Stahlflansche verwendet werden und eine einfache, wirtschaftliche Flachdichtung benötigt wird.
Vollflächendichtung (Form FF)
Die Vollflächendichtung überdeckt die gesamte Flanschfläche inklusive der Schraubenbohrungen.
- Bevorzugt bei Kunststoff- oder Graugussflanschen
- Sorgt für eine gleichmäßige Druckverteilung über die gesamte Flanschfläche
- Reduziert Kerbspannungen im Flanschbereich
Sie wird eingesetzt, wenn empfindliche Flanschwerkstoffe vor lokalen Überlastungen geschützt werden müssen.
Spiraldichtung (Spiralwunddichtung)
Die Spiraldichtung ist eine metallische Weichstoffdichtung und besteht aus:
- V-förmig profiliertem Metallband (z. B. Edelstahl 1.4541)
- Abwechselnd aufgewickeltem Füllstoffband (z. B. Graphit oder PTFE)
Eigenschaften:
- Einzige Flachdichtungsbauform mit nennenswerter elastischer Rückfederung
- Druckbereich: bis ca. 200 bar (anwendungsabhängig)
- Temperaturbereich: materialabhängig bis ca. 1000 °C
Typische Anwendungen sind Hochdruck- und Hochtemperaturflansche in Kraftwerken, Raffinerien und der Chemieindustrie.
Werkstoffe für Flachdichtungen
Die Wahl des Dichtungswerkstoffs hängt von Medium, Temperatur, Druck und Flanschgeometrie ab.
Elastomere (NBR, EPDM, FKM)
- Temperaturbereich: ca. bis 100–200 °C
- Druckbereich: typischerweise bis ca. 40 bar
- Medien: Wasser, Trinkwasser, Öle, viele Chemikalien (abhängig vom Typ)
NBR ist öl- und kraftstoffbeständig, EPDM ist sehr gut für Heißwasser und Dampf im Niederdruckbereich, FKM (Viton) ist chemikalien- und temperaturbeständiger.
Faserstoffdichtungen
- Aufbau: Aramidfasern mit NBR-Binder
- Temperaturbereich: ca. bis 150–180 °C
- Vielseitig einsetzbar in allgemeinen Industrieanwendungen
Sie kombinieren gute Anpassungsfähigkeit mit ausreichender Festigkeit und sind Standard in vielen Rohrleitungs- und Apparateverbindungen.
PTFE und expandiertes PTFE
- Temperaturbereich: ca. −200 bis +260 °C
- Nahezu universelle Chemikalienbeständigkeit
- Besonders geeignet für aggressive Medien (Säuren, Laugen, Lösungsmittel)
- Nachteil: Neigung zu Kaltfluss (Kriechen unter Last)
Expandiertes PTFE (ePTFE) ist weicher und anpassungsfähiger und wird häufig für emaillierte oder glasierte Flansche verwendet.
Expandierter Graphit
- Temperaturbereich: ca. −200 bis +550 °C (in inerten Medien, in oxidierender Atmosphäre niedriger)
- Zulässige Flächenpressung: bis ca. 140 N/mm²
- Medien: Dampf, Thermoöle, viele Chemikalien
Typische Einsatzgebiete sind Kraftwerke, Petrochemie und Hochtemperaturprozesse. Graphitdichtungen werden oft mit metallischen Einlagen kombiniert.
Metalldichtungen
- Temperaturbereich: über 1000 °C möglich
- Druckbereich: über 250 bar
- Werkstoffe: verschiedene Edelstähle, Nickelbasislegierungen u. a.
Sie kommen in Hochdruck- und Hochtemperaturanwendungen zum Einsatz, z. B. in Hochdruckreaktoren, Turbinen oder Spezialarmaturen. Die Dichtwirkung erfordert hohe Flächenpressungen und sehr gute Flanschoberflächen.
Wichtige Normen für Flachdichtungen
- DIN EN 1514-1 – Flachdichtungen für Normflansche, definiert u. a. Formen IBC, FF, SR, TG
- DIN 2690 – Ältere deutsche Norm für Flanschdichtungen, in vielen Bestandsanlagen noch relevant
- DIN EN 1514-2 – Norm für Spiralwunddichtungen
- DIN EN 1092-1 – Europäische Flanschnorm, auf die sich die Dichtungsmaße beziehen
- ASME B16.21 – US-amerikanische Norm für Flachdichtungen zu ASME-Flanschen
Diese Normen legen Abmessungen, Toleranzen, Formen und teilweise Kennzeichnungen fest und stellen die Austauschbarkeit von Dichtungen sicher.
Montagehinweise für Flachdichtungen
Eine fachgerechte Montage ist entscheidend für die Dichtheit und Lebensdauer der Verbindung.
- Schrauben kreuzweise anziehen: In mehreren Stufen (z. B. 30 %, 60 %, 100 % des Zieldrehmoments) mit geeignetem Drehmomentschlüssel.
- Mindestflächenpressung sicherstellen: Die Dichtung muss auch bei Temperatur- und Druckschwankungen ausreichend verpresst bleiben.
- Dichtungsstärke und Werkstoff passend wählen: Abgestimmt auf Medium, Temperatur, Druckstufe und Flanschwerkstoff.
- Flanschflächen prüfen: Sauber, eben, frei von Beschädigungen und geeignete Rauheit.
- Dichtung nicht nachträglich nachziehen, solange keine Leckage auftritt und der Hersteller nichts anderes vorgibt.
Eine korrekte Auslegung und Montage reduziert Leckagen, Stillstände und Folgekosten erheblich.
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Welches Material eignet sich für Flachdichtungen?
Die Materialwahl richtet sich nach Medium, Temperatur und Druck. Gängige Werkstoffe sind EPDM für Wasser und Dampf, NBR für Öle, FKM für aggressive Chemikalien und Silikon für Lebensmittelanwendungen.
Was ist der Unterschied zwischen Flachdichtungen und O-Ringen?
Flachdichtungen sind flache, plattenförmige Dichtungselemente für Flanschverbindungen, O-Ringe haben einen kreisförmigen Querschnitt für Nut-Abdichtungen.
Nach welchen Normen werden Flachdichtungen ausgelegt?
Gängige Normen sind DIN EN 1514 für Flanschdichtungen, DIN 2690 für metrische Flachdichtungen und EN 13555 für die Berechnung der Dichtwirkung.
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