Chemische Beständigkeit von Elastomeren vorauswählen
Von der Beständigkeitsliste zur konkreten Materialanfrage.
Chemische Beständigkeit beschreibt, wie ein Werkstoff dem Kontakt mit einem bestimmten Medium unter definierten Bedingungen widersteht. Bei Elastomeren hängt die Beurteilung von der konkreten Mischung, dem Medium und den Einsatzbedingungen ab; eine allgemeine Beständigkeitsliste unterstützt die Vorauswahl, ersetzt aber keine anwendungsbezogene Freigabe.
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Chemische Beständigkeit beginnt mit dem genauen Medium
Für eine Vorauswahl reicht die Angabe „Öl“, „Reiniger“ oder „Wasser“ häufig nicht aus. Benennen Sie das tatsächlich eingesetzte Produkt, seine Zusammensetzung soweit bekannt und die Bedingungen am Bauteil. Die Übersicht zu Elastomer-Werkstoffen hilft Ihnen, bereits bekannte Materialfamilien einzuordnen.
Erfassen Sie auch Medien, die nur zeitweise auftreten: Reinigung, Wartung und Stillstand können andere Kontakte erzeugen als der normale Betrieb. Wenn das genaue Medium noch unbekannt ist, halten Sie diesen Punkt offen, statt eine vermeintlich passende Materialfamilie als Freigabe einzutragen.
| Angabe | Was Sie erfassen sollten | Warum es zur Anfrage gehört |
|---|---|---|
| Medium | Produktname und bekannte Bestandteile; vorhandenes Datenblatt | Eine allgemeine Stoffgruppe beschreibt nicht jede Mischung. |
| Konzentration | Eingesetzte Verdünnung und mögliche Schwankungen | Die Bewertung muss zu den tatsächlichen Bedingungen passen. |
| Temperatur | Betrieb, Reinigung und relevante Spitzen | Eine Raumtemperaturangabe deckt andere Zustände nicht automatisch ab. |
| Kontakt | Dauerhaft, zeitweise oder wechselnd; benetzte Bauteilflächen | Die Beanspruchung muss nachvollziehbar beschrieben sein. |
| Mechanik | Statisch oder bewegt; Verpressung und Belastung | Chemischer Kontakt ist nur ein Teil der Bauteilanforderungen. |
Wie lesen Sie eine Beständigkeitsliste richtig?
Lesen Sie zuerst die Legende und die Bezugsbedingungen. Ein Symbol wie „gut“ oder eine Zahl kann je nach Quelle etwas anderes bedeuten. Prüfen Sie außerdem, ob eine Materialfamilie oder eine bestimmte Mischung bewertet wird und welche Angaben zu Temperatur und Konzentration vorliegen.
Eine öffentlich zugängliche Orientierung bietet beispielsweise die Beständigkeitsliste von COG. COG kennzeichnet die Angaben als zu prüfende Richtwerte und nennt Raumtemperatur als Bezug, soweit nichts anderes angegeben ist. Übertragen Sie solche Werte deshalb nicht ungeprüft auf einen anderen Einsatzfall.
Diese Seite enthält bewusst keine pauschale Freigabetabelle nach Materialkürzeln. Nutzen Sie die Originallegende der jeweiligen Liste und ergänzen Sie Ihre konkreten Bedingungen; eine unvollständige oder unpassende Tabellenzeile ist kein Eignungsnachweis.
Materialfamilie und konkrete Mischung unterscheiden
EPDM, NBR, FKM oder Silikon benennen Werkstofffamilien. Für die Serienfreigabe benötigen Sie jedoch eine ausreichend beschriebene Ausführung. Eine bereits vorhandene Mischungsnummer, ein Datenblatt und bisherige Prüfungen sollten deshalb Teil der Anfrage sein.
Für einen ersten Vergleich zweier häufig verwendeter Familien lesen Sie EPDM vs. NBR. Geht es bereits um ein konkretes Bauteil, führt die Auswahl anschließend zur passenden Produktseite, beispielsweise zu Silikon-Formteilen. Die Materialberatung und die Freigabe des Bauteils sind dabei aufeinander abzustimmen.
Wann ist eine Prüfung am Medium sinnvoll?
Eine Prüfung wird besonders relevant, wenn Referenzdaten fehlen, die Bedingungen von den Tabellenangaben abweichen oder eine vorhandene Lösung unter veränderten Bedingungen eingesetzt werden soll. Stimmen Sie das Ziel der Prüfung vorab ab: Welche Veränderung soll erfasst werden und welche Kriterien entscheiden über die Eignung?
Die ISO 1817:2024 beschreibt die Bewertung der Einwirkung von Flüssigkeiten auf vulkanisierte und thermoplastische Kautschuke durch den Vergleich von Eigenschaften vor und nach der Einlagerung. Die Norm liefert ein methodisches Vorgehen, keine universelle Freigabe für jede Dichtung. Prüfmedium, Bedingungen und Akzeptanzkriterien müssen zum Projekt passen.
Beispiel: Wechsel des Reinigungsmittels
Angenommen, eine bestehende Anlage soll mit einem anderen Reiniger betrieben werden. Ein ähnlicher Produktname genügt nicht, um die bisherige Werkstofffreigabe zu übernehmen. Für eine neue Bewertung stellen Sie das Produktdatenblatt, die eingesetzte Konzentration, die Reinigungstemperatur und die Kontaktzeit zusammen.
Ergänzen Sie die vorhandene Materialbezeichnung und die Einbausituation der Dichtung. Dieses Planungsbeispiel legt keinen geeigneten Werkstoff fest; es zeigt, welche Informationen für die nächste Entscheidung benötigt werden.
Vom Materialvergleich zur Serienanfrage
- Alle Betriebs-, Reinigungs- und Wartungsmedien erfassen.
- Vorhandene Tabellenquelle mit Legende und Bezugsbedingungen nennen.
- Werkstoffvorgabe, Zeichnung und frühere Prüfergebnisse beilegen.
- Offene Punkte und geforderte Nachweise kennzeichnen.
- Jahresbedarf und geplante Abrufe für die spätere Versorgung ergänzen.
Mit diesen Angaben können wir die Materialauswahl und die nächsten Schritte für Dichtungen nach Maß mit Ihnen besprechen. Die konkrete Freigabe erfolgt anhand der abgestimmten Anforderungen.
Das Titelbild ist eine KI-Illustration von Werkstoffproben und neutralen Gefäßen. Es zeigt keinen tatsächlichen Beständigkeitsversuch und keine Versuchsergebnisse.
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Reicht eine Tabelle für die chemische Beständigkeit aus?
Eine Tabelle unterstützt die Vorauswahl, ersetzt aber keine anwendungsbezogene Freigabe. Prüfen Sie Quelle, Legende, Werkstoff und Bezugsbedingungen gemeinsam mit Ihrem konkreten Einsatzfall.
Ist ein Materialkürzel bereits eine Werkstofffreigabe?
Nein, das Kürzel bezeichnet eine Materialfamilie. Für eine konkrete Serienausführung müssen Mischung, Anforderungen und gegebenenfalls Prüfergebnisse ausreichend beschrieben sein.
Muss ein neues Reinigungsmittel berücksichtigt werden?
Ja, ein geändertes Medium sollte in die Bewertung aufgenommen werden. Teilen Sie Produkt, Konzentration, Temperatur und Kontaktbedingungen mit.
Welche Angaben benötigt B+V für die Vorauswahl?
Benötigt werden die Kontaktmedien und Einsatzbedingungen sowie Zeichnung und bekannte Werkstoffvorgaben. Ergänzen Sie vorhandene Datenblätter, notwendige Nachweise und Ihren Serienbedarf.
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