Prüfung 2 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 8. September 2026

Druckverformungsrest bei Dichtungen verstehen

Was der Kennwert aussagt – und was Sie zusätzlich prüfen sollten.

KI-Illustration zum Druckverformungsrest: Elastomerprobe unter Druck und freie Probe

Der Druckverformungsrest beschreibt die bleibende Verformung eines Elastomers nach einer festgelegten Druckbeanspruchung und anschließender Erholung. Der auch als DVR oder Compression Set bezeichnete Kennwert ist nur zusammen mit den Prüfbedingungen aussagekräftig; er ist keine direkte Angabe zur Lebensdauer oder zur Dichtheit eines Bauteils.

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Wie wird der Druckverformungsrest eingeordnet?

Der Kennwert beschreibt, in welchem Umfang ein zuvor zusammengedrückter Prüfkörper nach Entlastung seine ursprüngliche Höhe wieder erreicht. Eine geringere bleibende Verformung entspricht bei vergleichbaren Bedingungen einem niedrigeren DVR. Für die Auswahl von Dichtungen nach Maß bleibt zusätzlich die konkrete Einbausituation maßgeblich.

Die ISO 815-1:2019 behandelt die Bestimmung des Druckverformungsrestes bei Umgebungs- oder erhöhten Temperaturen unter definierten Bedingungen. Zeit, Temperatur und Erholung beeinflussen das Ergebnis. Deshalb ist eine einzelne Prozentzahl ohne Prüfbericht kein belastbarer Werkstoffvergleich.

Rechenbeispiel zur bleibenden Verformung

Für die Darstellung bei vorgegebener Stauchung wird die bleibende Höhenänderung auf die ursprüngliche Stauchung bezogen: DVR = (Ausgangshöhe − Höhe nach Erholung) / (Ausgangshöhe − Höhe während der Stauchung) × 100 %. Alle Höhen müssen in derselben Einheit angegeben werden.

Fiktives Rechenbeispiel – keine Prüfvorgabe
GrößeBeispielwert
Ausgangshöhe10,0 mm
Höhe während der Stauchung7,5 mm
Höhe nach Erholung9,5 mm
Bleibende Höhenänderung0,5 mm
Ursprüngliche Stauchung2,5 mm
DVR im Beispiel20 %

Die Rechnung lautet 0,5 / 2,5 × 100 = 20 %. Die Werte sind ausschließlich zur Erläuterung gewählt. Daraus folgt weder ein zulässiger Grenzwert noch eine Empfehlung für Probekörper, Prüfzeit oder Temperatur. Das Beispiel ersetzt keine Durchführung nach einer vereinbarten Prüfmethode.

Welche Prüfbedingungen müssen übereinstimmen?

Vergleichen Sie Datenblätter nur, wenn klar ist, was tatsächlich gemessen wurde. Erfragen Sie bei Unterschieden den vollständigen Prüfbericht und ordnen Sie die Angaben der konkreten Mischung zu. Eine gemeinsame Materialfamilie wie EPDM oder NBR bedeutet nicht, dass die Daten verschiedener Mischungen austauschbar sind.

  • Genaue Werkstoff- beziehungsweise Mischungsbezeichnung.
  • Angewandte Prüfmethode und Probekörper.
  • Prüftemperatur, Dauer und vorgegebene Stauchung.
  • Art der Entlastung und Bedingungen der anschließenden Erholung.
  • Messung und Dokumentation des Ergebnisses.

Auch Parker betont in der Erläuterung zum Lesen von Prüfberichten, dass Messmethode und Prüfbedingungen für einen sinnvollen Materialvergleich bekannt sein müssen.

DVR, Härte und Dichtfunktion unterscheiden

Die Shore-Härte beschreibt die Eindringhärte; der DVR beschreibt bleibende Verformung nach einer bestimmten Beanspruchung. Beide Kennwerte beantworten unterschiedliche Fragen. Ein Härtewert ersetzt daher keine Bewertung des Rückstellverhaltens.

Die verbleibende Anpresskraft einer eingebauten Dichtung wird außerdem nicht unmittelbar als DVR gemessen. Die Abnahme von Spannung unter anhaltender Verformung wird als Spannungsrelaxation beschrieben. Die Unterscheidung wird etwa im Engineering Handbook von Parker Chomerics erläutert. Ein günstiger Einzelwert allein belegt deshalb keine dauerhaft dichte Baugruppe.

Was gehört in Ihre Dichtungsanfrage?

Beschreiben Sie Medien, Temperaturverlauf, Einbau und erwartete Beanspruchung zusammen mit dem Bauteil. Wenn bereits ein DVR-Grenzwert vorgegeben ist, nennen Sie auch die dazugehörigen Prüfbedingungen. Fehlen diese, ist die Anforderung zunächst zu präzisieren.

  • Zeichnung mit Einbauraum und Kontaktflächen.
  • Betriebs- und Reinigungsmedien sowie Temperaturbedingungen.
  • Bekannte Mischung und vorhandene Prüfberichte.
  • Verbindliche Grenzwerte einschließlich Prüfmethode.
  • Serienbedarf, Freigabeprozess und Dokumentationsanforderungen.

Für die Abstimmung von Muster und Prüfanforderungen finden Sie weitere Informationen zur Bemusterung.

Das Titelbild ist eine KI-Illustration zur Druckbeanspruchung. Die dargestellte Anordnung ist schematisch und kein normgerechter Prüfaufbau.

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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Ist ein niedriger Druckverformungsrest immer besser?

Ein niedrigerer DVR bedeutet bei gleichen Prüfbedingungen weniger bleibende Verformung. Die Eignung einer Dichtung muss trotzdem zusammen mit Einbau, Medien und weiteren Anforderungen bewertet werden.

Bedeutet 20 % DVR im Beispiel 20 % Höhenverlust?

Nein, der DVR bezieht sich auf die ursprüngliche Stauchung, nicht auf die gesamte Ausgangshöhe. Im Beispiel entsprechen 0,5 mm bleibende Änderung bei 2,5 mm Stauchung einem DVR von 20 %.

Kann ich Daten verschiedener Hersteller direkt vergleichen?

Nur wenn Mischung und Prüfbedingungen ausreichend beschrieben und vergleichbar sind. Unterschiedliche Prüfzeiten, Temperaturen oder Erholungsbedingungen können den Vergleich verfälschen.

Lässt sich aus dem DVR die Lebensdauer ablesen?

Nein, ein einzelner DVR-Wert ist keine direkte Lebensdauerangabe. Die tatsächliche Funktion muss unter den vorgesehenen Einsatzbedingungen bewertet werden.

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