HNBR: Eigenschaften und Auswahl für Dichtungen
Hydrierter Nitrilkautschuk für anspruchsvolle Einsatzbedingungen
HNBR ist hydrierter Acrylnitril-Butadien-Kautschuk, auch hydrierter Nitrilkautschuk genannt. Durch Hydrierung von NBR entsteht eine Werkstofffamilie mit verbesserter Wärme- und Alterungsbeständigkeit. Ob eine HNBR-Mischung zur Dichtung passt, entscheidet das konkrete Einsatzprofil.
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Was ist HNBR?
Die Abkürzung HNBR steht für Hydrogenated Nitrile Butadiene Rubber. Ausgangspunkt ist NBR (Nitrilkautschuk). Bei der Hydrierung wird Wasserstoff an Doppelbindungen im Polymer angelagert. Dadurch wird die Molekülkette weniger reaktionsfreudig gegenüber Sauerstoff.
Dieser chemische Unterschied erklärt die verbesserte Wärmebeständigkeit gegenüber NBR. Freudenberg beschreibt HNBR zudem als Werkstoff für Anwendungen mit erhöhten mechanischen Anforderungen. Daraus folgt jedoch keine pauschale Eignung für jedes heiße oder dynamisch belastete Dichtungssystem.
HNBR und NBR: Was ändert die Hydrierung?
HNBR kann gegenüber NBR Vorteile bei Wärmealterung und Verschleiß unter dynamischer Beanspruchung bieten. Für die Auswahl sind solche Materialvergleiche ein Ausgangspunkt. Entscheidend bleibt, ob die betrachtete Mischung die benötigte Dichtwirkung über die vorgesehene Betriebsdauer erreicht.
Die Ölbeständigkeit hängt weiterhin von der Zusammensetzung ab, unter anderem vom Acrylnitrilgehalt. Das erläutert RADO in seiner HNBR-Werkstoffbeschreibung. HNBR ist daher kein universeller Ersatz, der unabhängig von Medium, Temperatur und Geometrie eingesetzt werden kann.
Medien und Einsatzbedingungen
Eine belastbare Bewertung beginnt beim genauen Medium: Produktname, Zusammensetzung, Konzentration und mögliche Zusätze gehören zusammen. Berücksichtigen Sie auch Reinigungsmedien, Stillstand und wechselnde Belastungen. Eine Beständigkeitsaussage für einen einzelnen Stoff deckt nicht automatisch ein Gemisch oder den gesamten Betriebszyklus ab.
Bei bewegten Dichtungen ergänzen Druck, Bewegung und Kontaktflächen das Anforderungsprofil. Bei statischen Dichtungen sind Einbauraum und Verpressung ebenso zu berücksichtigen. Nennen Sie deshalb die Funktion des Bauteils und nicht nur die gewünschte Materialabkürzung. Falls ein bisheriges Bauteil versagt, helfen Angaben zum beobachteten Schaden und zur Einsatzdauer bei der Eingrenzung.
Welche Temperatur hält HNBR aus?
Es gibt keinen einzelnen Temperaturbereich, der jede HNBR-Dichtung ausreichend beschreibt. Benötigt werden die Grenzen der konkreten Mischung sowie Angaben zu Medium, Belastungsdauer und Einbausituation. Trennen Sie Dauerbetrieb, kurze Spitzen, Kaltstart und Stillstand in Ihrer Anfrage. Ein allgemeiner Werkstoffüberblick ersetzt diese Prüfung nicht.
Welche Daten gehören in eine Werkstoffanfrage?
- Bauteilzeichnung mit Revisionsstand, Einbauraum und funktionskritischen Maßen.
- Genaue Medien einschließlich Reinigern, Konzentrationen und Kontaktzeiten.
- Dauer- und Spitzentemperatur, Kaltstart sowie Druck und Bewegung.
- Vorhandene Materialvorgabe: Compound-Bezeichnung, Härte, Datenblatt und bisherige Freigaben.
- Benötigte Nachweise und Prüfmerkmale sowie Losgröße und Jahresbedarf.
Wenn nur ein Muster vorliegt, kennzeichnen Sie bekannte und unbekannte Angaben getrennt. Das Aussehen eines schwarzen Elastomerteils belegt weder den Werkstoff noch dessen Qualität. Eine vorhandene Zeichnung, frühere Materialbestellung oder ein Datenblatt ist deshalb hilfreicher als eine alleinige Zuordnung nach Farbe.
HNBR-Datenblatt: Was sollte geprüft werden?
Ein Datenblatt muss eindeutig der angebotenen Mischung zugeordnet sein. Prüfen Sie, ob Kennwerte mit Prüfbedingungen angegeben sind und welche Nachweise für Ihren Einsatz tatsächlich vorliegen. Allgemeine Angaben zu HNBR sind keine Produktfreigabe. Stimmen Sie erforderliche Dokumente vor der Bemusterung ab, damit die technische Prüfung dieselbe Ausführung betrifft wie das spätere Bauteil.
Wann Alternativen prüfen?
HNBR ist ein Kandidat, wenn NBR unter den vorgesehenen Bedingungen an Grenzen stößt. Bei einem anderen Medienprofil lohnt sich auch der Blick auf FKM und seine Einsatzgrenzen. Ein Vergleich sollte konkrete Werkstoffe anhand derselben Anforderungen bewerten; der Name allein entscheidet nicht.
Für die Auswahl zwischen Witterungseinfluss und mineralölhaltigen Medien bietet unser EPDM-Werkstoffüberblick eine weitere Orientierung. Die richtige Materialfamilie und die richtige Bauteilgeometrie müssen gemeinsam betrachtet werden.
Für ein konkretes Bauteil können Sie über Dichtungen nach Maß und Zeichnung Ihre Anwendung mit uns abstimmen. Nennen Sie eine HNBR-Vorgabe ausdrücklich; die technische Eignung und Liefermöglichkeit werden für die jeweilige Anfrage geprüft.
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Was bedeutet die Abkürzung HNBR?
HNBR steht für Hydrogenated Nitrile Butadiene Rubber, auf Deutsch hydrierter Nitrilkautschuk. Der Werkstoff entsteht durch Hydrierung von NBR.
Was unterscheidet HNBR von NBR?
Durch Hydrierung verbessert sich insbesondere die Wärme- und Alterungsbeständigkeit. Die konkrete Medienbeständigkeit und Bauteileignung hängen weiterhin von der Mischung und den Einsatzbedingungen ab.
Wo finde ich ein passendes HNBR-Datenblatt?
Maßgeblich ist das Datenblatt der konkreten Compound-Bezeichnung. Eine allgemeine HNBR-Beschreibung reicht für Härte, Temperaturgrenzen und Freigaben eines bestimmten Bauteils nicht aus.
Ist HNBR automatisch für hohe Temperaturen geeignet?
Die zulässige Temperatur muss für die konkrete Mischung und Anwendung geprüft werden. Geben Sie Dauerbetrieb, Spitzen, Kaltstart, Medium und Belastungsdauer an.
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